Ayurveda und Mikrobiom

Ayurveda und Mikrobiom

Sie leben auf uns und in uns. Wir brauchen sie jeden Tag, um in Gesundheit leben zu können. Die Rede ist von den unzähligen Mikroorganismen, die uns besiedeln. Lange dachten wir, die meisten Bakterien seien schädlich, aber Wissenschaftler wie Dr. Keith Wallace haben in den letzten 10 Jahren erstaunlich Positives erforscht.

Begleiten Sie uns und Dr. Wallace auf einer Reise in die unglaubliche Welt der Darmbakterien. Es erwarten Sie faszinierende Verknüpfungen von Mikrobiom, Stimmung und Gesundheit – eingebettet in das traditionelle Wissen des Ayurveda.

Mikrobiom?! – Was ist das?

Das Mikrobiom umfasst alle Mikroorganismen samt ihrer Gene, die in und auf uns leben. Heute gehen wir davon aus, dass ihre Zahl mit geschätzten 30 Billionen in etwa so groß ist wie die unserer Körperzellen. 99 % dieser Bakterien leben zumeist im Dickdarm. Ganze 500 bis 1000 verschiedene Arten tummeln sich dort.

Wer glaubt, dass unsere Darmbakterien nur für die Verdauung zuständig sind, täuscht sich gewaltig. Ihre Wirkung geht weit über den Darm hinaus! Unsere Mitbewohner prägen sogar unsere Stimmung, unsere geistige und körperliche Gesundheit. „Diese Bakterien kontrollieren alles, und sie sind positiv (friendly)“, so Dr. Wallace in einem spannenden Vortrag, der Ihnen in voller Länge auf YouTube zur Verfügung steht.

Erstaunliche Leistungen unserer Darmbakterien

Dass Darmbakterien bei der Verdauung helfen, ist wenig überraschend. Aber sie tun noch viel mehr. Sie

  • schützen uns vor krankmachenden Keimen
  • helfen bei der Aufnahme bestimmter Nährstoffe wie Calcium und Eisen
  • bilden bestimmte Vitamine (B-Vitamine, Vitamin K)
  • trainieren unser Immunsystem
  • helfen beim Aufbau und Erhalt der Darmwand
  • bilden Botenstoffe des Nervensystems (Neurotransmitter)

Wie wichtig der Darm und seine Bewohner für uns sind, zeigt sich auch daran, dass die Darmwand 80 % des Immunsystems sowie ein eigenes (sekundäres) Nerven- und Hormonsystem beherbergt. Von dort aus fließen weit mehr Informationen zum Gehirn als umgekehrt.

Unter Druck – Darmmikrobiom und moderne Belastungen

Ob wir traditionell geboren werden oder per Kaiserschnitt, wie alt wir sind, wie wir uns ernähren und ob wir uns sportlich betätigen, was wir essen und welche Medikamente wir einnehmen: All das beeinflusst unser Mikrobiom im Darm – mitunter über sehr lange Zeit. So erkennt man oft noch bei Erwachsenen anhand der Artenzusammensetzung ihrer Darmbakterien, ob sie per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sind. Auch Antibiotika - obschon in bestimmten Situationen sicherlich hilfreich, heutzutage jedoch oft exzessiv verordnet - können die Darmflora unter Umständen über Monate oder sogar Jahre negativ verändern. Darüber hinaus können falsche Ernährungsgewohnheiten, ungesunde Lebensmittel sowie mangelnde Vielfalt in der Ernährung, übertriebene Hygiene, Rauchen, das Alter und vor allem chronischer Stress zu einer unausgewogenen Mischung der Darmbakterien beitragen.

Vom Mikrobiom zur Krankheit

Die Kenntnis, dass die Ursache der meisten Krankheiten im Darm sitzt, ist uralt. Sie findet sich im westlichen Kulturkreis bei Hippokrates ebenso wie im Ayurveda. Die moderne Mikrobiomforschung erklärt nun seit einigen Jahren ebenfalls, warum dies so ist.

So wissen wir heute, dass Gehirn und Darm permanent in engem Austausch miteinander stehen. Das führt dazu, dass sich chronischer Stress negativ auf die Darmflora auswirkt und umgekehrt Darmbakterien die psychische Gesundheit beeinflussen können.

Eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit spielt besonders die Darmwand, die bei einer aus dem Gleichgewicht geratenen Darmflora undicht werden kann. Es können dann unvollständig verdaute Nahrungsmittel, Bakterien usw. durch die undichte Darmwand („Leaky gut“) in die Blutbahn eindringen und in verschiedenen Geweben abgelagert werden. Dies ruft umgehend das Immunsystem auf dem Plan, welches unvollständig verdaute Eiweißmoleküle als „fremd“ erkennt und zum Angriff auf diese übergeht. So können Autoimmunerkrankungen, andere entzündliche Erkrankungen sowie weitere Störungen entstehen, z.B.:

  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Reizdarmsyndrom
  • Asthma, Allergien, Autoimmunerkrankungen
  • Neurologische Störungen (Autismus)
  • Übergewicht, Diabetes
  • Herz(-Kreislauf-)Erkrankungen
  • Alzheimer, Parkinson
  • Depression und Angst

Modernes Wissen trifft Tradition: Mikrobiom und Ayurveda

Dank den Erkenntnissen der modernen Mikrobiomforschung ist heute noch eindrucksvoller verständlich, was der Ayurveda schon seit Tausenden von Jahren lehrt. Und Ayurveda hält sogar wertvolle Tipps zur Pflege unserer Darmbakterien bereit.

Mikrobiomforschung bestätigt ayurvedisches Wissen

Die Mikrobiomforschung hat deutlich gezeigt, wie wichtig der Darm und seine Bewohner für unsere Gesundheit und unser seelisches Gleichgewicht sind. – Keine neue Erkenntnis für den Ayurveda, der Darm, Verdauung und Ernährung so eine große Bedeutung beimisst.

Im Ayurveda gilt unsere Ernährung als wichtiger Schlüssel zur Gesundheit. Heute können wir sagen:  Sie ändert unser Mikrobiom und eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung fördert die so bedeutsame Vielfalt und Balance unserer Darmflora.

Zugleich wird auch Medizinern immer klarer, warum sich manche Probleme nicht einfach mit einer Pille lösen lassen, wenn Ernährung und Stress eine so große Rolle für unsere „Gesundheitszentrale“ Darm spielen.

Hier sind umfassendere Ansätze gefragt, die den ganzen Menschen mit seinem ganzen Leben berücksichtigen. Ansätze, wie sie der Ayurveda schon lange anbietet. Ein Ansatz, in dem es vor allem darum geht, den Menschen und seine Gesundheit zu stärken.

Wir sind zuversichtlich, dass das Thema „Mikrobiom“ und die einhergehenden aktuellen Erkenntnisse dazu beitragen, dass das uralte Wissen des Ayurveda von der modernen Medizin besser verstanden und angewendet wird und somit vielen Menschen zu einer Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden verhilft.

Ayurveda wissenschaftlich erklärt

Deshalb übersetzt Dr. Wallace in seinem englischsprachigen Vortrag altes ayurvedisches Wissens in die moderne wissenschaftliche Sprache und gibt damit spannende Impulse.

Ama kann zum Beispiel erklärt werden als Ergebnis eines gestörten Mikrobioms, das unverdauten Speiseresten, Toxinen, Bakterien und Umweltgiften erlaubt, in die Blutbahn zu gelangen.

Ama kann dadurch das Immunsystem aktivieren und Entzündungen sowie verschiedene Krankheiten hervorrufen.

Aus ayurvedischer Sicht gilt ein kräftiges Agni, das in der Lage ist, „Ama“ zu „verbrennen“, als Schlüssel zu guter Gesundheit – eine Aussage, die mit dem heutigen Wissen um den umfassenden Einfluss des Mikrobioms sehr gut nachvollziehbar erscheint.

Die uralten ayurvedischen Schriften benennen viele geeignete Maßnahmen zur Stärkung des Verdauungsfeuers.

Auch die Wirkung ausgesuchter Kräuter und Gewürze, zum Beispiel Kurkuma, Brahmi und Ashwagandha, können wir dank der Mikrobiomforschung besser erklären. Neuere Studien erklären zum Beispiel, wie Kurkuma mit den Darmbakterien interagiert, um verschiedene Verdauungsprozesse abzustimmen.

Pflege für Darmbakterien – Das sagt die Wissenschaft

Ähnlich wie Haut und Haare freuen sich auch unsere Darmbakterien über regelmäßige Pflege. Zur „Pflegeserie für den Darm“ gehören:

  • eine darmfreundliche Ernährung
  • Probiotika, die hilfreiche Mitbewohner für unsere Darmbewohner mitbringen
  • Präbiotika als Kraftnahrung für unser Mikrobiom
  • Nahrungsergänzungen
  • ein darmfreundlicher Lebensstil – nicht rauchen, für ausreichend Entspannung sorgen

Dass sich die Darmpflege wirklich lohnt, konnte am Beispiel von Probiotika nachgewiesen werden, die mentale Zustände wie Angst und Depression verbessern können.

Ayurvedisches Wissen zum Wohle des Darms

Wer heute nach Empfehlungen zu einer gesunden Ernährung sucht, sieht sich oft zahlreichen Strömungen und Ratschlägen gegenüber, die für den Einzelnen mitunter schwer einzuschätzen sind.

Aus seinem reichen Erfahrungsschatz kann das Jahrtausende alte Wissen des Ayurveda zu einer besseren Orientierung im Dschungel moderner Ernährungsrichtungen beitragen.

Ein sehr wichtiger Aspekt ist die individuelle Verträglichkeit von Lebensmitteln, die der Ayurveda mit seinen maßgeschneiderten Ernährungsempfehlungen für jeden Dosha-Typ seit jeher berücksichtigt. Darüber hinaus gibt der Ayurveda wertvolle Tipps, um Speisen – passend zum Dosha-Typ sowie zur Jahres- und zur Tageszeit – durch eine optimale Zubereitung verträglicher machen kann. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Temperatur sowie die richtigen Kräuter und Gewürze.

Auch das im Ayurveda empfohlene leichte Fasten (Anmerkung: Nur für bestimmte Dosha-Typen empfohlen) erscheint vor dem Hintergrund moderner Mikrobiomforschung in einem neuen Licht. Möglicherweise vermag authentisch durchgeführtes leichtes Fasten dem Darmmikrobiom einen wichtigen Impuls zu geben und so das aus Sicht des Ayurveda so wichtige Agni zu stärken und neu zu entfachen. Auch Kräutereinläufe, die zu den wirkungsvollsten Behandlungen einer ayurvedischen Panchakarma-Kur zählen, pflegen die Darmflora.

In der „Charaka Samhita“, dem ältesten Textbuch des Ayurveda, findet sich sogar die Aussage, dass 50 % aller Krankheiten durch „Bastis“ geheilt werden können.

Ein inzwischen in Europe sehr verbreitetes und beliebtes Pflanzenprodukt sind übrigens indische Flohsamen, der „indische Wegerich“, verwandt mit unserem heimischen Spitzwegerich. Die kleinen schiffchenförmigen Samen, die im Ayurveda eingesetzt werden, um den Darm wieder ins Gleichgewicht zu bringen, binden im Darm Wasser und Abfallstoffe.

Über die Ernährung hinaus gibt der Ayurveda wertvolle Impulse zum Lebensstil, die der Darmflora zu Gute kommen, wie die Berücksichtigung der tages- und jahreszeitlichen Rhythmik, zu Bewegung und Entspannung.

Dr. Wallace betont auch die Rolle des Bewusstseins, dessen Bedeutung Maharishi Mahesh Yogi wieder in den Ayurveda hineingebracht hat. Wenn Menschen unter Stress stehen, fällt es ihnen schwer, Veränderungen in ihrem Leben vorzunehmen. Vielmehr kompensieren sie Stress sehr oft – und „verwöhnen“ sich mit Süßigkeiten, Alkohol, Zigaretten oder üppigem Speisen. Mit Yoga und Meditation weist der Ayurveda Alternativen auf, um tiefe Ruhe und Entspannung zu finden, Stress zu lösen, Geist und Bewusstsein zu reinigen und so Veränderungen den Weg zu bahnen.

Und letztlich gehört es zu unserem persönlichen Weg der Selbstfindung auch dazu, zu lernen, welche Lebensmittel für uns besonders geeignet sind.

Dr. Robert Keith Wallace – moderner Wissenschaftler mit traditionellem Hintergrund

Dr. Keith WallaceAls Physiologe und Ayurveda-Anhänger schlägt Dr. Robert Keith Wallace seit vielen Jahren eine Brücke zwischen Wissenschaft und Ayurveda. Als erster westlicher Wissenschaftler überhaupt untersuchte er die Wirkung der Transzendentalen Meditation auf unseren Körper. Der Autor zahlreicher Bücher, der zeitweise sogar Forschungen an der Harvard University leitete und in engem Kontakt zu Maharishi Mahesh Yogi stand, gründete die ersten Maharishi Ayurveda-Kliniken in den USA und war Gründungspräsident der Maharishi University of Management. Dort ist der Professor für Physiologie und Gesundheit noch heute als Forschungsdirektor tätig und leistet mit seiner Arbeit einen maßgeblichen Beitrag zur Forschung und Ausbildung im Bereich des Ayurveda.

Linktipp

Weitere spannende Informationen finden Sie auf der englischsprachigen Webseite von Dr. Keith Wallace unter https://docgut.com/

Buchtipp

Robert Keith Wallace, Samantha Wallace: Gut Crisis: How Diet, Probiotics, and Friendly Bacteria Help You Lose Weight and Heal Your Body and Mind (Englisch), Dharma Publications, zu bestellen über Amazon.

Ein Leitfaden für die Darmgesundheit. Das englischsprachige Buch klärt auf über die wichtigsten Störfaktoren unserer Darmflora und über mögliche Folgen für unsere Gesundheit. Darüber hinaus zeigt es ganz praktisch, wie wir unser Mikrobiom auf Basis alten ayurvedischen Wissens durch Ernährung, Lebensstil und andere einfache Maßnahmen stärken können.