Ayurvedisches Fasten

Fast alle Kulturen und naturheilkundliche Lehren kennen eine sogenannte Fastenzeit. Die Menschen sollen in dieser Zeit äußeren Genüssen entsagen und innere Einkehr halten, nach dem Motto: "Der Körper nimmt ab, der Geist nimmt zu."

Optimal für eine konzentrierte Entschlackung ist laut Ayurveda der Frühling. Denn dann macht der Körper ohnehin "Frühjahrsputz". Durch die steigenden Temperaturen gerät das im Winter angesammelte Kapha in Bewegung. Ziel des Körpers: das gelöste Kapha abzubauen oder auszuscheiden. Für eine effektive, nachhaltige Ausscheidung rät der Ayurveda deshalb vor allem im Frühling zu einer Panchakarma-Kur mit ihren effektiven, wohltuenden Ausleitungsmethoden. Doch auch zu Hause kann man den Regenerationsprozess stärken – zum Beispiel durch leichte, Kapha-reduzierende Kost.

Vollständiges, sogenanntes "Null-Fasten" wird im Ayurveda nur sehr selten empfohlen, da es die Verdauungskraft (Agni) reduziert und Vata erhöht. Besser ist es, für eine gewisse Zeit einfach die Nahrungsaufnahme zu reduzieren. Zum Beispiel kann man auf das Frühstück verzichten und abends nur eine leichte Gemüsesuppe zu sich nehmen. Zum Mittag sollte es ausschließlich strikt vegetarische Kost geben, das heißt nicht nur fleischlos, sondern auch ohne Fisch, Eier und Milchprodukte. Stattdessen sollte man Nahrungsmittel bevorzugen, die leicht sind, das im Frühjahr vorherrschende Kapha reduzieren und die Verdauung stärken. Dazu zählen vor allem grüne Blattgemüse wie Spinat oder Chicorée. Geeignet für eine ayurvedische Fastenkur sind ebenso gelber Mung Dal, Suppen oder Kitchari (gleiche Menge getrocknete gelbe Mung-Bohnen und Basmatireis in kaltem Wasser einweichen und anschließend zusammen mit trocken angeröstetem Kreuzkümmel, Koriander und gemahlenem Ingwer zu einem Brei kochen). Auch ayurvedische Nahrungsergänzungen wie Triphala Plus und Ama-Clean (siehe Hinweis) können den Verdauungsprozess unterstützen. Weitere ayurvedische, individuelle Ernährungshinweise und Gesundheitstipps erhalten Sie bei einem Ayurveda-Arzt. Eine Liste mit herausragenden Ayurveda-Ärzten finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda.

Wer die Nahrungszufuhr auf diese Weise reduziert, sollte Stress und körperliche Anstrengung vermeiden, damit der Körper möglichst viele Kräfte für den Reinigungsprozess zur Verfügung hat. Doch das bedeutet nicht, einfach ein paar Tage durchzuschlafen. Ganz im Gegenteil: Schlafen am Tag erhöht Kapha – das Gegenteil dessen, was erreicht werden soll. Bei Anflügen von Frühjahrsmüdigkeit sollte man also lieber einen kleinen Spaziergang einschieben, um die Körperfunktionen anzuregen. Gleichzeitig fühlt man sich wieder wach und frisch.

Daneben kennt der Ayurveda weitere einfache Verhaltensmaßnahmen, um die Verdauungskraft und die Ausleitung schädlicher Stoffwechselrückstände zu begünstigen – natürlich nicht nur im Frühjahr. Etwa alle halbe Stunde sollte man ein paar Schlucke heißes Wasser zu sich nehmen. Am besten bereitet man morgens eine ausreichende Menge vor, indem man einen Liter Wasser mindestens zehn Minuten aufkocht und dann in eine Thermoskanne füllt. Natürlich kann man je nach Geschmack und individueller Konstitution frischen Ingwer zu dem Wasser geben.

Will man dauerhaft die Ausgewogenheit der drei Doshas unterstützen, empfiehlt der Ayurveda einen Flüssigkeitstag. Einmal pro Woche sollte man ausschließlich flüssige Nahrung zu sich nehmen wie frische Gemüsesuppen, Lassi und natürlich heißes Wasser. Gegen ein Hungergefühl sind Obstsäfte geeignet. Sofern man nicht untergewichtig ist, kann man so einen Flüssigkeitstag einige Wochen oder sogar Monate in seine Routine einbauen. Er empfiehlt sich auch dann, wenn man am Vortag beim Essen über die Stränge geschlagen hat.