7 Ayurveda-Tipps für Kinder

Ayurveda für Kinder

Wer glaubt, Ayurveda sei nur etwas für Erwachsene, der täuscht sich gewaltig. Ob Ernährung, Massage oder Klänge: Es gibt vieles, mit dem Sie als Eltern, Großeltern, Tante, Onkel usw. die Entwicklung der Kleinen liebevoll unterstützen können. – Vom Säuglingsalter bis zum Teenager!
Wie, das zeigt Ihnen die Ärztin in der Kinderheilkunde und Ayurveda-Ärztin Dr. med. Jasmin Blumenberg, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda, der ältesten ayurvedischen Ärztevereinigung in Deutschland (gegründet 1983).
Dr. med. Jasmin Blumenberg praktiziert an der Kinderklinik Minden und ist Dozentin an der Deutschen Ayurveda Akademie in Regensburg.

Tipp 1: Tagesrhythmus einhalten

Für eine gesunde Entwicklung brauchen Kinder Regelmäßigkeit und Rhythmus. Darin sind sich Ayurveda und unsere westliche Medizin absolut einig. Denn ohne einen regelmäßigen Rhythmus haben Kinder Probleme, mit der Flut an Reizen in ihrem Leben klarzukommen. Häufige Folgen sind Rastlosigkeit, übertriebene Aktivität und innere Unruhe. Die Kinder finden dann keinen Ausgleich.
Aus Sicht des Ayurveda ist dies Ausdruck einer übermäßigen Ansammlung von Vata. Ein regelmäßiger Tagesrhythmus mit ayurvedischen Ansätzen, die Balance und Gleichgewicht schaffen, kann dabei helfen, die Doshas wieder in Balance zu bringen bzw. schon im Vorfeld das Dosha-Gleichgewicht zu bewahren.

Wie sieht das praktisch aus?

Beginnen können Sie mit der Vermittlung des ayurvedischen Tagesrhythmus bei Kindern, die schon durchschlafen, also einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus haben. Dies ist meistens im Alter von zwei bis drei Jahren der Fall. Aus Sicht des Ayurveda sollte der Tag ja früh beginnen. Die Empfehlung für die Aufstehzeit liegt bei 6 Uhr. Da kleine Kinder ohnehin häufig „Frühaufsteher“ sind, wird dies in jungen Jahren vergleichsweise einfach umzusetzen sein. Weit schwieriger wird es bei Jugendlichen, deren Rhythmus sich zunehmend nach hinten verschiebt. Doch auch für sie gilt: Ein regelmäßiger Tagesrhythmus mit frühem Aufstehen verbessert ihr Dosha-Gleichgewicht und gibt ihnen Stabilität für ihren Alltag.

Nach durchwachter oder schlechter Nacht – was gerade mit kleinen Kindern gern mal vorkommt -, sollen Eltern und Kind natürlich ruhig einmal länger schlafen. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden, der ihm gut tut.
Entsprechendes gilt auch für die Schlafenszeit. Kinder – wie Erwachsene –  sollten möglichst zu einer festen Zeit ins Bett gehen. Bei Jugendlichen sollte diese nicht nach 22 Uhr liegen – wobei es natürlich bei einer Party auch mal länger sein darf.

Tipp 2: Mit Wasser in den Tag starten

Wer morgens auf nüchternen Magen erst einmal ein Glas Wasser trinkt, hat schon viel für sich getan. Aus ayurvedischer Sicht trägt das Trinken des Wassers zur inneren Reinigung bei und stimuliert die morgendliche Darmentleerung. Bei Kindern kann diese Empfehlung ab dem ersten Lebensjahr angewendet werden.

So wird’s gemacht

Idealerweise verwenden Sie für den „Morgendrink“ 10 Minuten lang abgekochtes Wasser, das auf Zimmertemperatur abgekühlt ist. Das gekochte Wasser können Sie auch in einer Thermoskanne aufbewahren und bei Bedarf auf die gewünschte Temperatur abkühlen lassen.
Bei Kindern, die gewohnt sind, eher Fruchtsaft zu trinken, und die nicht bereit sind, stilles Wasser zu sich zu nehmen, können Sie den Saftanteil nach und nach reduzieren. Ohnehin sollten Kinder unter 4 Jahren möglichst wenig Fruchtsaft trinken, das schont auch die Zähne.
Als täglicher Durstlöscher ist stilles Wasser für Kinder das optimale Getränk. Fruchtsaft sollte eher besonderen Anlässen vorbehalten bleiben. Wesentlich verbessern können Sie als Eltern und andere nahestehende Erwachsene die Akzeptanz der Kinder natürlich, indem Sie das Wassertrinken selbst vorleben.

Tipp 3: Ayurvedische Morgenhygiene für Kinder

Ähnlich wie bei Erwachsenen empfehlen wir bei Kindern, mit einer ayurvedischen Morgenroutine in den Tag zu starten. Die Schritte im Einzelnen:

  • Innere Reinigung: Tragen Sie Sorge dafür, dass sich das Kind Zeit für seine Darm- und Blasenentleerung nimmt.
  • Abhyanga: Bei Babys wird die morgendliche Ganzkörpermassage von den Eltern oder einem anderen Erwachsenen durchgeführt. Dabei die Kleinen für circa 10 bis 15 Minuten mit gereiftem Sesamöl einreiben. Größere Kinder (ab ca. acht Jahren) und Jugendliche können die Massage bei sich schon selbst durchführen und dafür gern ein auf ihren Dosha-Typ abgestimmtes Massageöl verwenden, ggf. mit Sesamöl verdünnt (Vata Massageöl für trockene bis normale Haut, Pitta Massageöl für empfindliche Hauttypen, Kapha Massageöl für die fettende, zu Unreinheiten neigende Haut).

Baby MassageBaby Massage

  • Dehnübungen:  Bei Säuglingen und Kleinkindern können Sie im Rahmen der morgendlichen Massage ganz sanft die Beine über den Kopf nach hinten bringen. Anschließend den rechten Arm zum linken Bein führen – und umgekehrt. Dies macht den Kleinen nicht nur Spaß, sondern tut ihnen einfach gut.

Zungenreiniger Kinder

  • Körperreinigung: Nach der Massage abduschen. Während bei kleinen Kindern in der Regel reines Wasser reicht, können größere Kinder und Jugendliche ein zu ihrem Dosha-Typ passendes Duschgel oder Shampoo verwenden.
  • Reinigung von Zunge und Zähnen: Neben dem üblichen Zähneputzen kann auch schon bei kleinen Kindern ein Zungenreiniger eingesetzt werden. Während größere Kinder den Zungenschaber mit etwas Übung leicht selber anwenden können, sollten kleinere Kinder noch von Erwachsenen unterstützt werden, die dann behutsam mit dem Zungenreiniger über  die Zunge fahren.

Wir empfehlen Ihnen hierzu unseren versilberten Zungenreiniger, der besonders klein, weich und rund ist.

Tipp 4: Ayurvedische Küche für Kinder

Ziel jeglicher Ernährung ist es, unseren Körper und somit jede einzelne Körperzelle ausreichend mit Nährstoffen und Energie zu versorgen. Voraussetzung dafür ist eine gründliche Verdauung der Nahrung. An dieser Stelle kommt gemäß Ayurveda das Verdauungsfeuer Agni ins Spiel. Nur wenn es richtig brennt, werden unsere Zellen gut versorgt und möglichst wenig Schlackenstoffe (Ama) gebildet. Entsprechend setzt die ayurvedische Küche nicht nur auf eine gesunde, vollwertige Ernährung, sondern auch auf zahlreiche Gewürze und andere Zutaten, die das Verdauungsfeuer anregen. Sie bilden gemäß Ayurveda die Basis für eine gute körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie die Vorbeugung von Krankheiten und Alltagsbeschwerden. Andernfalls drohen Völlegefühl, Müdigkeit, Hautunreinheiten, Konzentrationsschwierigkeiten und andere Beschwerden.
Übrigens: Die aus diesem ayurvedischen Verständnis resultierenden Grundsätze der ayurvedischen Küche gelten für Kinder genauso wie für Erwachsene.

  • Sprechen Sie mit jeder Mahlzeit alle sechs Sinne an, indem Sie möglichst immer alle sechs Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, scharf, bitter, herb) einbringen. Sie alle wirken verschieden auf den Körper und die Psyche eines Menschen.
  • Bereiten Sie die Speisen immer möglichst frisch zu. Das ist nicht nur gesünder, sondern schmeckt auch einfach besser.
  • Lassen Sie das Kind zwischen den Mahlzeiten immer wieder warmes Wasser trinken. Das stärkt den Verdauungstrakt, während ihn kalte Getränke schwächen.

Neben diesen allgemeinen Hinweisen zur ayurvedischen Ernährung gibt es einige Besonderheiten, die speziell für Kinder gelten. So dominiert in den ersten Lebensjahren aus ayurvedischer Sicht bei den Kindern das Kapha-Dosha. Daraus erklärt sich auch ihr ausgeprägter Drang nach Süßem.

Wenn Sie einem Kind vor der Hauptmahlzeit eine kleine Menge Süßes (zum Beispiel einen Löffel Apfelmus oder einen Teil des Desserts) geben, aktiviert dies aus ayurvedischer Sicht das Verdauungsfeuer und dadurch werden die Nährstoffe der Speisen besser verstoffwechselt.
Wer mag, darf aber gern noch – wie es in unserer westlichen Kultur weit verbreitet ist – hinterher einen süßen Nachtisch verspeisen.
Dabei muss süß nicht immer ungesund sein. Ein mit reifem, süßem Obst bereiteter Getreidebrei ist nicht nur schmackhaft und gesund, sondern stillt auch noch das Bedürfnis nach Süßem.

Kennen Sie das noch aus Ihrer eigenen Jugend? In der Pubertät wird der Drang zu Süßem noch größer. Die Jugendlichen befinden sich jetzt in einer Übergangszeit, in der der ganze Körper arbeitet. In dieser Findungsphase brauchen die Jugendlichen etwas, das ihnen Halt verleiht und ihr Kapha-Dosha stabilisiert. Diese Suche nach Stabilität ist übrigens auch ein Grund dafür, dass Kinder mitunter immer wieder über lange Zeit dasselbe Gericht essen können.
Besonders wichtig wird im Kinder- und Jugendalter das Ghee. Gleich, ob Sie es in die Milch einrühren oder viel damit kochen. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf!

Wer die Ernährung von Kindern – gerade in besonderen Entwicklungsphasen – aufwerten möchte, sollte es vielleicht einmal mit unserem Kinder-Rasayana probieren. Dieses ist speziell auf die Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet. Die Verwendung ist denkbar einfach: Kinder ab drei Jahren verzehren morgens und abends etwa ½ Stunde vor dem Essen 1 Tablette mit warmem Wasser oder warmer Milch mit Kandiszucker (ggf. mörsern Sie Tablette und Kandiszucker).

Speziell abgestimmt auf die Bedürfnisse von Lernenden ist übrigens das „Studenten-Rasayana“, das Schülern und Studenten gleichermaßen empfohlen werden kann.

Tipps für alle Mahlzeiten

Frühstück

Um das Verdauungsfeuer „Agni“ der Kinder anzuregen, empfiehlt Ayurveda warmen Getreidebrei mit etwas gemahlenem Ingwer, Kurkuma, Zimt und ein wenig Kardamom.
Dazu können Kinder eine Gewürzmilch trinken. Geben Sie hierfür in ein Glas Milch etwas gemahlenen Ingwer und Ghee. Für Kinder ab zwei Jahren können Sie den Trunk zusätzlich mit etwas Mandelmus verfeinern.
Ayurveda empfiehlt grundsätzlich die Verwendung von Kuhmilch, weil vegane Ernährung zu Mangelerscheinungen führen kann bei Kindern und Vitamin-Mangel dann z.B. zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen.

Dr. Jasmin Blumenberg: „Leider erleben wir es im Krankenhaus immer wieder, dass Kinder aufgrund veganer Ernährung Knochenwachstums-Störungen durch Calcium-Mangel und auch Mangelerscheinungen in der Entwicklung aufweisen. Es kann sogar im ersten Lebensjahr die Entwicklung richtiggehend gestoppt werden, was dann nur noch schwer zu kompensieren ist."

Mittagessen

Passend zu einem ausgewogenen Mittagsmahl empfehlen wir ein Lassi, das ayurvedische Joghurt-Getränk. Mit probiotischem Joghurt zubereitet, unterstützt dieses zusätzlich die Darmflora ihres Sprösslings.
Testen Sie unsere vielfältigen Lassi-Rezepte und entdecken Sie gemeinsam Ihr persönliches Lieblings-Lassi.

Hier gelangen Sie zum Grundrezept zur Herstellung von Lassi. Auf der gleichen Seite erwarten Sie unser Pfefferminz-Lassi, Rosen-Lassi, ein Kokos-Lassi und ein salziges Lassi sowie weitere leckere Rezepte wie:

Wenn Sie den Joghurt für Ihr Lassi daheim frisch zubereiten möchten, können Sie dies bequem mit einem Joghurtbereiter wie unserer Joghurt-Box tun.

Abendessen

Um den Darm zu entlasten und den Kindern einen ruhigen Schlaf zu ermöglichen, bevorzugt Ayurveda zum Abendessen leichte, gut verdauliche Speisen. Auf tierische – und damit schwer verdauliche – Eiweiße sollte abends daher eher verzichtet werden.

Tipp 5: Gleichgewichtsübungen, die Spaß machen

Bei sehr kleinen Kindern können Sie einfache Dehnübungen – wie oben bereit beschrieben – passiv im Rahmen der Massage durchführen (Beine über den Kopf nehmen, Hand an Fuß).

Zur Förderung der Haltung und des Gleichgewichts können Kinder etwa ab dem dritten Lebensjahr Stellungen wie den „Baum“ üben, bei dem die Kinder auf einem Bein stehen, den freien Fuß an das Knie des Standbeins führen und die Arme über Kopf nehmen.

Gleichgewichtsübungen Kinder

Das macht Spaß – und Bewegung ist eine wichtige Säule in der Entwicklung des Kindes.

Gerade in der heutigen Zeit, in der bereits kleine Kinder sehr viel das Smartphone und den Computer nutzen, ist es sehr wichtig für die Entwicklung der Kinder, dass Bewegung (und Bewegung an der Luft bei jeder Wetterlage) unterstützt werden.

Machen Sie einfach mit! Das tut Ihnen nicht nur gut, sondern sorgt für noch mehr Begeisterung bei den Kleinen.

Tipp 6: Ausgleich für Reizüberflutung

Dr. Jasmin Blumenberg: „Kinder berichten mir oft, dass sie nach der Schule Computerspiele spielen und dadurch versuchen, die täglichen Reize bzw. die Reizüberflutung zu verarbeiten, die sie ja in der modernen Zeit vermehrt aufnehmen. Sie erkennen natürlich leider nicht, dass dies zu einer erneuten Reizüberflutung führt, da die Computerspiele erneut Reize setzen.

Dann potenzieren sich die Reize und es können durchaus medizinische Folge-Probleme auftreten.

Wir erleben das immer mehr, dass Kinder nächtelang durchspielen und es kommt schon vor, dass durch permanente Reizüberflutung verbunden mit Schlafmangel Kinder dann mit Krampfanfällen zu uns in das Krankenhaus kommen."

Daher ist es wichtig, den Kindern in einen guten Rhythmus und in eine Regelmäßigkeit zu helfen, in der auch Ruhephasen, Atemübungen oder Kinder-Meditation Platz haben.

Tipp 7: Vedische Klänge für die Kinderseele

Gandharva-Veda-Musik, die auch als Musiktherapie eingesetzt wird, harmonisiert die Doshas und sorgt nicht nur bei Kindern für Entspannung und innere Ruhe. Gerade in einer Zeit, in der schon viele Kinder unter Zeit- und Leistungsdruck stehen, können harmonische Klänge wesentlich zur Entspannung von Körper und Geist beitragen. So finden sie die nötige Ruhe, die sie brauchen, um die vielfältigen Alltagsreize zu verarbeiten.

Dr. Jasmin Blumenberg: „Wir haben in der Klinik sehr gute Erfahrungen gesammelt, wenn wir bei Säuglingen Massagen mit Begleitung durch Gandharva-Veda-Musik durchführen. Wir stellen dann an der Monitor-Aufzeichnung fest, dass die Herzfrequenz sich senkt, die Atmung ruhiger wird und es dadurch zu einer Reduktion des Vata-Doshas kommt."

Für den Einstieg besonders empfehlenswert ist die Rain Melody. Sie eignet sich für jedes Alter und jede Tageszeit und wird insbesondere bei Unruhezuständen sehr gern eingesetzt.

Tipp zum Umgang mit unseren Empfehlungen

Konnten wir Ihnen interessante Impulse geben, die Sie jetzt in die Tat umsetzen möchten? Dann starten Sie am besten sanft mit einzelnen Schritten, die Sie besonders ansprechen und die Sie nach und nach verwirklichen. Sehen Sie unsere Empfehlungen einfach als Wegweiser, der Ihnen die Richtung weist. Und beschreiten Sie dann gelassen Ihren eigenen Weg. Achten Sie bei jedem Schritt darauf, was Ihnen und dem Kind gut tut und womit Sie beide sich wohlfühlen. Seien Sie wie die Kinder neugierig und offen für Neues, ohne etwas zu erzwingen oder sich gar zu überfordern. Dann werden Sie und das Kind am meisten davon profitieren.

Danke

Wir danken Frau Dr. Jasmin Blumenberg für Ihre fachliche Unterstützung und die wunderbaren Fotos.